Unterwegs

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January 19, 2010
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Hasta La Paz

Bereits die Ankunft in La Paz ist atemberaubend – der internationale Flughafen ist mit 4000m der höchstgelegene seiner Art und die Luft entsprechend dünn. Zum Glück haben besonders optimistische Michael-Jackson-Fans zwischen Zoll und Gepäckabfertigung ein Sauerstoffzelt installiert. Da Jacko wohl aber nicht mehr kommen wird, darf sich jeder Neuankömmling dort für ein paar Cent eine Nase voll “dicker” Luft holen.

Ich hatte zum Glück keine wirklichen Anpassungsprobleme – einzig beim Biertrinken ist die Höhe spürbar: es wirkt schneller, und die Kater hier sind etwas intensiver als ihre Artgenossen im Flachland (c:

Generell scheint in La Paz (wie auch im ganzen Land) so einiges auf dem Kopf zu stehen: Wer was auf sich hält und es sich leisten kann, wohnt so weit wie möglich unten in dem Talkessel, in den sich die Stadt bettet. Und wer nicht so viel Glück hat, dem bleiben nur die steilen und daher stark erosionsgefährdeten Talhänge oder das windige, oft bitterkalte El Alto oberhalb der Talkante. Zwischen den 1a-Lagen im Tal und den Marginalsiedlungen von El Alto liegen dabei 1000 Höhenmeter und fast 10 Grad Unterschied in der Durchschnittstemperatur – und das innerhalb einer Stadt! (Damit sich das späktakulärer anhöhrt, sehe ich mal großzügig darüber hinweg, dass El Alto seit 1986 eine eigenständige Stadt ist…) Ähnlich sehen die landesweiten Verhältnisse aus: das im Schnitt 3800m hohe Hochland des Altiplano, das mit seinen extremen Witterungsbedingungen etwa ein Drittel der Fläche Boliviens ausmacht, wird fast ausschließlich von ärmeren Quetchua- und Aymará-Indios bewohnt, während das heisse, östliche Tiefland mit seinen riesigen Farmen und reichhaltigen Erdöl- und Gasvorkommen von wohlhabenden Nachfahren spanischer Siedler dominiert wird.

Und noch etwas steht seit 2006 in Bolivien auf dem Kopf: nach knapp 500 Jahren weisser Herrschaft und teils unsäglicher Ausbeutung steht mit Evo Morales vom Volk der Aymará erstmals ein Indio und ehemaliger Kokabauer an der Spitze des Landes. Ob Evo aber der Mann ist, der dieses positive Symbol auch in einen echten Fortschritt für das Land verwandeln kann, bleibt abzuwarten. Derzeit jedenfalls erscheint Bolivien zutiefst polarisiert und befindet sich in einer echten Zerreisprobe: die reichen Tieflandregionen wollen mit aller Macht mehr Selbstbestimmung, Evo hingegen steuert mit seiner Regierung der “Bewegung zum Sozialismus” eher zu Totalitarismus und Zentralismus. Darüber hinaus weckt seine enge Freundschaft zu El Presidente Hugo Chávez eher düstere Vorahnungen…

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